Johannespassion 2018 - Kirche SZB

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Aufführung der "Johannespassion", Karfreitag, 30. März 2018

In vielen Kirchgemeinden wird am Karfreitag mit Konzerten, Andachten und Gottesdiensten an das Leiden und Sterben Jesu gedacht.
In Schwarzenberg geschah dies in diesem Jahr mit der Aufführung der von Johann Sebastian Bach am Karfreitag 1724 erstmals aufgeführten „Johannespassion.“
Pünktlich um 19:00 Uhr begrüßte Pfarrer Rolf Scholz die zahlreich erschienenen Besucher und wünschte den Akteuren gutes Gelingen und allen Anwesenden ruhige Besinnung.
Die „Johannespassion“ von Johann Sebastian Bach gilt als besonders dramatisches Werk des Oratorien-Repertoires und war zu seiner Entstehungszeit von ungekannter musikalischer Wucht und Größe. Genau das erlebten die Zuhörer an diesem Abend neu.
„Für mich war das die emotionalste Aufführung, in der ich mitgesungen habe!“ war einer der Chorsänger im Anschluss zu hören.

Bereits der Eingangschor „Herr, unser Herrscher“ stellte die Größe und Allmacht des HERRN vor die Seele und zog die Zuhörer sofort in seinen Bann.
Anders als in der späteren, zweichörigen „Matthäuspassion“ stellt die erste von Bachs Passionen die Erhöhung Christi in den Vordergrund. Erweckt die Passion nach Matthäus vor allem das Mitgefühl des Betrachters und macht die Leidensgeschichte gleichsam schmerzlich fühlbar, so wird Christus in der „Johannespassion“ am Kreuz zum König erhoben, der souverän den Willen des Vaters auf sich nimmt.
Die Würde und Großartigkeit dieses oratorischen Meisterwerkes war über die gesamte Zeit zu erleben und füllte die barocke Georgenkirche mit einer erhabenen Stimmung.
Maßgeblich verantwortlich dafür waren unter anderem die Interpretationen der ausgezeichneten Solisten, die konzentrierte Leistung des Chores, die sauberen Intonationen des Collegium musicum sowie der professionellen und engagierten Gastmusiker. Dabei fiel es allen Akteuren leicht, dem über die gesamte Aufführung sehr emotionalen Dirigat Matthias Schuberts zu folgen und die von ihm geforderte Interpretation in die Tat umzusetzen.
So gelang es den Mitwirkenden im Laufe des Konzertes, das biblische Geschehen des vierten Evangelisten lebendig werden zu lassen. Erlebbar wurde das irregeleitete Volk, die Anklage der Priesterschaft oder die Rolle des Landpflegers, die sich der Majestät und Größe des Gottessohnes in seine Leidensfähigkeit entgegenstellten. Beeindruckend die prägnanten Chöre im Wechsel mit der ausdrucksstarken musikalischen Verkörperung der handelnden Personen wie Pilatus, Petrus, Judas, einer Magd und natürlich Christus.
Eine besondere Leistung an diesem Abend war auch die ausdrucksstarke Erzählweise des Evangelisten, der von Tenor Falk Hoffmann verkörpert wurde. Nicht minder leistungsstark erwiesen sich die Interpretationen der beiden Bässe Egbert Junghans (Christus) und Thomas Oertel-Gormanns (Arien) der für den erkrankten Christoph Hüllsmann eingesprungen war. Schon des Öfteren in Schwarzenberg erlebt, brillierten Altistin Ulrike Zech und Barbara Christina Steude im Sopran.
Wer es im Verlauf der zwei Stunden vermochte, das vertonte Leiden des HERRN auf sich wirken zu lassen, der konnte das Berühren seiner Seele erleben. Wer empfänglich war für die Passion Christi, dem stellte sich die Größe des Gottessohnes in das geistige Bewusstsein. Wer dagegen sein Empfinden hatte erst „erwärmen“ müssen, der wurde spätestens bei den Worten: „es ist vollbracht“ innerlich still und zutiefst berührt.
Bei den Worten des Evangelisten: „Und neiget das Haupt und verschied“ verharrten Sänger, Musiker und Zuhörer in andächtigem Schweigen.
Geradezu erlösend und tröstend letztlich die Worte des Schlusschorals:

Ach Herr, laß dein lieb Engelein
am letzten End die Seele mein
in Abrahams Schoß tragen,
den Leib in sein'm Schlafkämmerlein
gar sanft, ohn einge Qual und Pein,
ruhn bis am jüngsten Tage.
Alsdenn vom Tod erwecke mich,
daß meine Augen sehen dich
in aller Freud, o Gottes Sohn,
mein Heiland und Genadenthron,
Herr Jesu Christ, erhöre mich, erhöre mich,
ich will dich preisen ewiglich.“
J.L.
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28.08.2018
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