Kuhnau-Projekt - Kirche SZB

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Musiksommer 2018
Aperitif zum Musikfest Erzgebirge
Eindrucksvolles Konzert zum Abschluss des Musiksommers 2018

Wie ist es möglich, ein Konzert, welches genau den eigenen Geschmack trifft und das ganz persönliche Empfinden widerspiegelt, objektiv zu bewerten?
Besteht nicht die Gefahr, dass sich rein subjektiv empfundene Superlative aneinanderreihen?
 
Wem sakrale, barocke Musik am Herzen liegt, der war am Montag in der St. Georgenkirche gut platziert.
Zum Abschlusskonzert des Musiksommers 2018 gaben das Vokalensemble OPELLA MUSICA und das Orchester CAMERATA LIPSIENSIS ein hochkarätiges Konzert. Unter der Leitung von Gewandhauschordirektor GREGOR MAYER interpretierten sie Werke des Leipziger Thomaskantors JOHANN KUHNAU. Der 1660 geborene und von 1701 bis 1722 an der Leipziger Thomaskirche wirkende Komponist und Musiker steht oftmals im Schatten seines Nachfolgers im Amt des Thomaskantors. Völlig zu Unrecht, wie man am Abend hören konnte.
 
Das „Kuhnau-Projekt“ ist ein ehrgeiziges Programm, das das Werk des Komponisten abbilden und würdigen soll. Bis 2022, dem 300. Todesjahr Kuhnaus, soll auf acht Tonträgern dessen gesamte geistliche Vokalmusik nicht nur zu hören, sondern auch als Notenedition zu lesen sein. Drei der CDs sind bereits erschienen. Mit dem Kuhnau-Projekt werde „endlich eine wichtige musikalische Facette der gattungsgeschichtlich so spannenden Übergangsphase zwischen geistlichem Konzert des 17. Jahrhunderts und spätbarocker Kirchenkantate zugänglich, die in ihrer Bedeutung kaum überschätzt werden kann“, so der anerkannte Musikwissenschaftler und Bachforscher Michael Maul aus Leipzig.
 
Fünf sakralen Kompositionen Kuhnaus erklangen unter der Mitwirkung der Solisten Isabel Schicketanz (Sopran), Heidi Maria Taubert (Sopran), Tobias Hunger (Tenor) und Friedemann Klos (Bass). Für den erkrankten David Erler sang am Abend die Altistin Susanne Langner.
Im Zusammenspiel mit dem Orchester CAMERATA LIPSIENSIS gestalteten die Musiker und Sänger ein Konzert der Extraklasse. Unter dem Dirigat von Gregor Meyer glänzte das Ensemble mit der fein ziselierten Kammermusik. Besonders beeindruckend war das harmonisch absolut gleichwertige Sopran-Doppel (Schicketanz/Taubert), das stimmlich perfekt von Susanne Langer ergänzt wurde.
Die Musiker von CAMERATA LIPSIENSIS begleiten die Sänger mit großem Sachverstand und musikalischem Gespür. Streicher und Bläser standen in einem ausgewogenen klanglichen Verhältnis zueinander, wobei die wunderbar melodisch gespielten Barocktrompeten wie eine sechste Singstimme in das musikalische Geschehen eingriffen. Der helle Ton der Oboe wie auch das Spiel der Theorbe gaben der Musik einen feierlichen Anstrich.
Besonders beeindruckend war (für mich) die Interpretation von Tristis est anima mea, einer Motette für fünf Stimmen, eingestellt auf den Gründonnerstag. Überaus gefühlvoll gesungen füllten die klagenden Klänge die barocke Kirche. Würdevoll und feierlich dagegen das Magnificat mit weihnachtlichen Einlagesätzen.
Das Konzert in seinem musikalischen Anspruch ließ keine Wünsche offen. Dagegen wäre ein behutsamerer und sparsamerer Einsatz mit Applaus wünschenswert gewesen. Der (mit Sicherheit verdiente) Beifall erwies sich zuweilen als eher störend und verletzte zudem die feierliche Stimmung der Interpretationen. Auch wäre ich statt unter dem Eindruck des Applauses lieber mit den feierlichen Klängen und mit Gebet und Segen des Hausherren nach Hause gegangen.
 
Mit dem Konzert unter dem Titel „Meine Seele erhebet den Herren“ Johann Kuhnau - das Kantatenprojekt fand der Musiksommer 2018 einen würdigen Abschluss.
In 10 Konzerten begegneten den Besuchern anspruchsvolle und hochklassige Musik. Breit aufgestellt waren die Konzertangebote gut sortiert. Von Lainenmusikern und -sängern bis hin zu professionellen Interpreten waren über den Sommer zahlreiche Künstler zu Gast und gestalteten ein überaus vielseitiges Programm, das in seiner Fülle und Anspruch in Sachsen seinesgleichen sucht. Über 3500 Konzertbesucher nahmen die Angebote wahr und erlebten an den Montagabenden stil- und niveauvolle und dabei zeitlose Unterhaltung.
Wie Kirchenmusikdirektor Matthias Schubert verlauten ließ, sind bereits für den Musiksommer 2019 erneut hochklassige Künstler unter Vertrag.
Tröstlich, dass über das Jahr eine Reihe weiterer anspruchsvolle Konzerte in St. Georgen die Zeit bis dahin verkürzen helfen.
J.L.
 
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Fotos: Rico Thumser (1)  / Stefan Ditter / Jürgen Leonhardt
 
03.09.2018
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