Leidensspuren - Kirche SZB

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„Leidensspuren“ erinnern an finsteres Kapitel deutscher Geschichte
 
Reichspogromnacht 1938: In der Nacht vom 9. auf den 10. November brennen im gesamten Deutschen Reich,  in Österreich und in der Tschechoslowakei die Synagogen. Tausende Juden werden misshandelt, verhaftet oder getötet. In dieser Nacht beginnt der größte Völkermord in Europa. Ab 1941 fallen ihm 5,6 bis 6,3 Millionen europäischer Juden zum Opfer.
9. und 10. November 2018: In der Dresdner Frauenkirche und in der St.-Georgen-Kirche Schwarzenberg erklingen Gedenkkonzerte, die unter Leitung von Prof. Hans-Christoph Rademann das Duo Gellan (Violinisten Cecilia und Martin Gelland) und den Dresdner Kammerchor vereinen. Beide Konzertabende sind mit „Leidensspuren – Friedenszeichen“ überschrieben. Dem Zuhörer stellt sich vor und während des Konzertes die Frage: Kann Chorgesang und Instrumentalmusik das wiedergeben, was sich so unglaublich schwer in Worte fassen lässt? Ja, die Musik kann es! Samuel Adler (geboren 1928) komponiert im Auftrag des Dresdner Kammerchores sein Werk „Zu unserer Zeit sprechen“, Oleg Gotsoleks (geboren 1951) Beschäftigung mit historischen Aufnahmen jüdischer Lieder und Tänze mündet in „From the jewish Folk Tradition“ und Alfred Schnittke (1934 – 1998) schafft mit den „Zwölf Bußgesängen“ ein Chorwerk, welches Leid, Klage und die Bereitschaft zur Buße in Klangfolgen setzt.
Wie viele Schreie der Verzweiflung und des Schmerzes, wie viele stille Tränen über angetanes Unrecht und entwürdigende Behandlung, wie viele leidvolle  Jahre, Wochen, Tage und Stunden, wie viel hoffnungsloses Beten im Angesicht des bevorstehenden Todes prägen die 30ger und 40ger Jahre; prägen den Holocaust? Darauf gibt die Musik eine emotional-ergreifende Antwort: Manchmal sirenengleich, dann wieder leise flehend, an anderer Stelle anklagend-kraftvoll, dann wieder mystisch anmutend, atemlos vergehend oder leicht-beschwingt. Der Dresdner Kammerchor und das Duo Gelland vermögen es, durch ihren dynamisch-ausdrucksvollen Gesang und ihr virtuoses Spiel die Tiefen der menschlichen Seele auszuloten und die Herzen zutiefst zu rühren.
Nein! Der Konzertabend malt kein wohlklingendes und den Ohren schmeichelndes Tongemälde. Er rührt vielmehr an und mahnt. Er will sagen: Lasst es nicht zu, dass neue Finsternis unser Leben  und unser Land überzieht. Sagt den ewig Gestrigen unmissverständlich: Wir wollen für alle Zeiten, dass aus Leidensspuren andauernde Friedenszeichen werden. hjs

 
20.11.2018
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