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Musiksommer 2018
„Meister Heinrich Vrouwenlob's“ Dichtkunst "Kreuzleich"
Kompositionen des Mittelalters meisterlich interpretiert

Es sei ein Experiment, so Kantor Schubert in seiner Begrüßungsansprache, auf das sich die Zuhörer des Konzertes einließen.
 
Verantwortlich dafür waren an diesem Abend die Herren des Vokalensembles „Octavians“ aus Jena.
Experimentell sicher deshalb, weil sie ein Programm mitgebracht hatten, wie es so nur sehr selten zu hören ist.
Verse und Rekompositionen des Heinrich von Meissen, dessen Todestag in diesem Jahr zum 700sten mal wiederkehrt, waren in Bearbeitungen Karsten Gundermann aus Hamburg zu hören.
 
Heinrich von Meissen war zu seiner Zeit sehr von sich eingenommen. Er hielt sich nicht nur für den besten Sänger seiner Zeit, er hielt seine Kunst auch für hochwertiger als die der "großen Drei" aus der Glanzzeit des Minnesangs Walther, Wolfram und Reinmar. Nichtsdestotrotz war er populär und anerkannt im 13. Jahrhundert. (Bei seiner Beerdigung sollen die Damen in Massen geweint haben, wie heute bei einem Popstar.)
„Kreuzleich“ nannte der Komponist „Frauenlob“, so der Künstlername des mittelalterlichen Dichters, sein 22-strophiges Werk. Dabei steht das heilige Kreuz im Mittelpunkt der Dichtung, in seinen Legenden und Deutungen im Blick auf das Opfer Jesu.
 
In der Sprache des Mittelhochdeutschen vorgetragen gelang es den Interpreten, die Zuhörer in das 13. Jahrhundert zurück zu versetzen. In einer perfekten Geschlossenheit breiteten die sieben Musiker einen mittelalterlichen Klangteppich aus und legten ihn über die Zuhörer des nunmehr achten Konzertes des Musiksommers 2018. Mit der breiten Männerbesetzung inklusive zweier Countertenöre brillierte das Ensemble mit absoluter Reinheit der Stimmen und homogenem Klangbild.
 
In der Besetzung: Heiko Knopf – Countertenor, Matthias Mäurer – Countertenor, Christian Gaida – Tenor, Clemens Risse – Tenor, Martin Kleekamp – Bariton, Andreas Jäckel – Bariton und Johannes Schleußner – Bass ließen die Künstler die Dichtung des „großen Minnesängers“ lebendig werden.
Peter A. Bauer an historischen Schlagwerken und letztlich Virtuose Matthias Eisenberg an der Truhenorgel bereicherten das Konzert und machten es authentisch.
Neben der Interpretation des Werkes erläuterten die Musiker abwechselnd auch die Hintergründe der Dichtung. Erklärend auch das Programmheft, in dem neben Informationen zum Dichter und Werk auch der Text in heutigem Sprachgebrauch abgedruckt war.
In der Summe gestaltete sich das Konzert zu einem virtuos vorgetragenen Spiel, vom hohen Sopran bis zum tiefen Bass, berührenden und nachwirkend.
Das Experiment war gelungen.
J.L.
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28.08.2018
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