Musiksommer 2021-10 - Kirche SZB

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Musiksommer-Verlängerung gipfelt in einem Finale furioso
 
Dresdner Kammerchor und Prof. Hans-Christoph Rademann setzen dem „Vater der deutschen Musik“ facettenreiches Klangdenkmal
 
 
Nüchtern-sachlich heißt es im Programmflyer der sommerlichen Konzertreihe in St. Georgen: Der Musiksommer geht in die Verlängerung. Nicht einmal ansatzweise, spiegelt diese Konzertankündigung das wider, was der Dresdner Kammerchor unter dem Dirigat von Prof. Hans-Christoph Rademann am 24. September mit dem Heinrich-Schütz-Programm „Die Himmel erzählen … „ bot. Wenn einmal davon abgesehen wird, dass unter einem „Finale furioso“ strenggenommen eine Vortrags- und/oder Tempobezeichnung verstanden wird, so  lässt sich dieser Fachbegriff in abgewandelter Form auf die übergroße Begeisterung der Zuhörer am Ende des Konzertabends übertragen. Der nicht enden wollende Dankesapplaus galt zum Einen dem 1985 von Studenten rund um Hans-Christoph Rademann an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden gegründeten Chor. Zum Anderen würdigte er den in Dresden geborenen und in Schwarzenberg aufgewachsenen Dirigenten und Hochschullehrer; seit 2000 Professor für Chordirigieren an der Musikhochschule Dresden. Unter seiner Leitung und gemeinsam mit dem Carus Verlag Stuttgart sowie dem MDR Figaro begann 2009 (Abschluss 2018) die Gesamteinspielung des musikalischen Schaffens des im Oktober 1585  in Köstritz geborenen Komponisten des Frühbarocks.  Nun liegt die sogenannte Carus-Edition auf 28 CDs vor und setzt dem wunderbaren und keineswegs emotionslosen Schaffen Heinrich Schütz‘ ein klangvolles Denkmal.
 
In Schwarzenberg standen die 18 Chorsänger vor der besonderen Herausforderung, trotz baubedingter Verhüllungseinschränkungen die Psalmen Davids, das Deutsche Magnificat aus dem „Schwanengesang“, die Sätze der Geistlichen Chor-Musik und die Beckerschen Psalter in gewohnter Klangqualität zu interpretieren. Trotz dieser Schwierigkeit bestätigte der Dresdner Kammerchor einmal mehr die in Rezensionen der Fachpresse viel gelobte Textverständlichkeit, die sehr natürlich wirkende „Affektdarstellung“, die saubere und dynamische Interpretation sowie eine ausgewogene Klangbalance unterschiedlich zusammengestellter Stimmgruppen. Prof. Rademann erläuterte zudem kurz und verständlich werkinterpretatorische Zusammenhänge. Dadurch erschloss sich beispielsweise dem Musikfreund das von ihm so  genannte „mit den Ohren sehen“  in „Ich bin ein rechter Weinstock“. Auch dies gehörte zum Erfolg des Konzertabends: In den Vortrag des Psalms 136 „Danket dem Herren, gebt im Ehr … „ wurden die Zuhörer einbezogen. Zum Gelingen des Konzertabends trugen neben dem Dresdner Kammerchor unter dem Dirigat von Prof. Hans-Christoph Rademann auch Michaela Hasselt (Orgel) und Matthias Müler (Violine) bei.
 
Die Heinrich-Schütz-Gesamteinspielung wurde mehrfach ausgezeichnet; beispielsweise 2020 mit dem Opus Klassik in der Kategorie „Editorische Leistung des Jahres 2019“. Prof. Hans-Christoph Rademann – seit 2015 Botschafter des Erzgebirges – erhielt vor drei Jahren den Internationalen Heinrich-Schütz-Preis.  Die Ehrungen unterstreichen die internationale le Anerkennung des Chores und des Dirigenten.
Die Schwarzenberger Musikfreunde dürfen sich glücklich schätzen, dass in ihrem Gotteshaus Werke des „Vaters der deutschen Musik“ in beeindruckender und lange nachwirkender Weise erklangen.
Text: Dr. H.-J. Schwochow
Fotos: Dresdner Kammerchor
11.10.2021
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